Was wächst denn da? -Teil 32
Hollywood-Raubein Clint Eastwood und die bezaubernde Taglilie
Man kann sie unmöglich alle kennen oder über Detailwissen zu den schönen Bäumen, Büschen, Gehölzen und Blumen verfügen, die in den vielen Gärten und Parkanlagen in den Elbvororten grünen und blühen. Mit Anne Krischok, die Vorsitzende der Gesellschaft der Freunde des Botanischen Gartens ist, und dem Team der Anlage an der Ohnhorststraße in Klein Flottbek, stellen wir einige Pflanzen vor und berichten über Besonderheiten. In dieser Folge geht es um Taglilien.
Am großen Teich, am Hauptweg, befindet sich eine große Fläche mit verschiedenen Züchtungen. Es handelt sich um die Reste einer Hemerocallissichtung. Fotos: Angela Jahns
Die Einzelblüte einer Taglilie blüht, wie der Name schon sagt, nur einen Tag. Jedoch jeden Tag erblühen neue Knospen, sodass sich eine lange Blütezeit ergibt, daher auch der botanische Name Hemerocallis (griechisch hēméra = Tag, kállos = Schönheit). Diese Blumenschönheit hat es auch Hollywood-Raubein Clint Eastwood angetan: Im Krimi-Drama „The Mule“ spielt er einen Gärtner, der sein Leben lang in den Vereinigten Staaten von Amerika Taglilien gezüchtet und verkauft hat – allerdings dann auf üble Abwege gerät.
Auch als Randbepflanzung machen sich Taglilien perfekt
Alle der etwa 20 Taglilien-Wildarten stammen aus Ostasien, China und Japan. Bereits vor 2500 Jahren wurden Taglilien in chinesischen Gärten gepflanzt. Anfangs als Nutzpflanzen und nicht als Zierpflanzen, denn die jungen Blätter und Blüten wurden als Gemüse verzehrt, Wurzeln und Blätter als Heilmittel verwendet. Im Chinagarten wächst die Zitronen-Taglilie (Hemerocallis citrina), deren hellgelbe Blüten einen angenehmen Zitronenduft verströmen.
Andere Wildarten wachsen im Japangarten und im Balkan-Bereich. Am großen Teich, am Hauptweg, befindet sich eine große Fläche mit verschiedenen Züchtungen. Es handelt sich um die Reste einer Hemerocallissichtung.
Die Gelbe Taglilie wurde als erste Taglilie im 16. Jahrhundert nach Europa eingeführt. Ihr folgte die Gelbrote Taglilie (Hemerocallis fulva). Erst im 18. und 19. Jahrhundert kamen weitere hinzu. Noch um 1900 war die Hälfte der heute bekannten Taglilien-Arten nicht wissenschaftlich beschrieben. Dann setzte ein wahrer Taglilien-Boom ein. In England, in Italien und vor allem in den USA wurden systematisch Arten kultiviert und neue Sorten gezüchtet. Die meisten Garten-Hybriden stammen daher aus den USA oder Europa, oft von Hobbyzüchtern. Vorsicht: Vor allem die im warmen Süden der USA gezüchteten Sorten sind oftmals etwas wärmebedürftiger und setzen an kühleren, weniger sonnigen Standort oft weniger Blüten an.
Taglilien sind Highlights im Garten.
Alle Taglilien bevorzugen einen sonnigen, nicht zu trockenen, nährstoffreichen Standort.
Besonders bekannt wurde der amerikanische Botaniker Arlow Burdette Stout. Er züchtete Hunderte neuer Taglilien-Sorten. Heute gibt es allein in den USA fast 40 000 registrierte Züchter für Taglilien und eine weltweit nicht mehr zu überblickende Zahl an Hybriden. Es dürften mehr als 65 000 sein, jährlich kommen 1 500 dazu.
Taglilien sind langlebig und benötigen nur wenig Pflege. Der Staudenkenner Karl Foerster bezeichnete als die ideale Pflanze für „intelligente Faule“. Die Ansprüche der Stauden an den Standort sind eher bescheiden. Alle Taglilien bevorzugen einen sonnigen, nicht zu trockenen, nährstoffreichen Standort. Im Schatten bilden sie jedoch deutlich weniger Blütenknospen. Sie sollten im Frühjahr gedüngt werden. Die intensive Leuchtkraft dunkler Taglilien-Blüten bleibt zuverlässiger erhalten, wenn sie nicht der prallen Mittagssonne ausgesetzt sind. Die besten Pflanzzeiten für Taglilien sind Frühjahr und Herbst. Containerpflanzen können von April bis Oktober gepflanzt werden.
Die Blüten der Taglilien sind wunderschön.
Im Chinagarten wächst die Zitronen-Taglilie (Hemerocallis citrina), deren hellgelbe Blüten einen angenehmen Zitronenduft verströmen.
Ein Pflanzabstand von 50 bis 60 Zentimeter ist bei den meisten Arten und Sorten optimal. Das entspricht etwa vier Pflanzen pro Quadratmeter. Der Boden sollte mit etwas Kompost verbessert werden. Die Pflanzen werden so tief gesetzt, dass der Wurzelansatz etwa drei bis fünf Zentimeter mit Erde bedeckt ist. Danach einmal durchdringend wässern. Bei anhaltender Trockenheit sollten die Stauden gewässert werden, denn einige Sorten werfen sonst ihre noch ungeöffneten Blütenknospen ab. Das alte Laub verrottet im Winter nicht vollständig. Es sollte im zeitigen Frühjahr vor dem Austrieb entfernt werden.
Durch Teilung im Frühjahr kann man Horste verkleinern, wenn die Pflanze im Laufe der Jahre zu viel Raum einnimmt. Taglilien eignen sie sich sehr gut als Randbepflanzung an Gartenteichen. Sie wirken auch sehr gut in Staudenbeeten zusammen mit Iris (Iris sibirica), Pfingstrosen (Paeonia lactiflora), Phlox (Phlox paniculata) oder Chinaschilf (Miscanthus sinensis). Das ist sehr schön in der Hemerocallis-Fläche am großen Teich zu sehen.
Angela Jahns/ mk