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Was wächst denn da? -Teil 29

Die Moor-Birke ist Baum des Jahres 2023

Man kann sie unmöglich alle kennen oder über Detailwissen zu den schönen Bäumen, Büschen, Gehölzen und Blumen verfügen, die in den vielen Gärten und Parkanlagen in den Elbvororten grünen und blühen. Mit Anne Krischok, die Vorsitzende der Gesellschaft der Freunde des Botanischen Gartens ist, und dem Team der Anlage an der Ohnhorststraße in Klein Flottbek, stellen wir einige Pflanzen vor und berichten über Besonderheiten. Diesmal geht es um den Baum des Jahres 2023 – die Moor-Birke (Betula pubescens).

Am Rande einer Heidefläche (Calluna vulgaris, Pflanze des Jahres 2019) wurde vor einer Gruppe älterer Moor-Birken liebevoll ein Sitzplatz angelegt. Fotos: Jahns



Im Frühling gehört die Moor-Birke (Betula pubescens) zu den ersten Bäumen, die wieder grün werden. Sie wurde von der „Baum des Jahres“ Stiftung zum Baum des Jahres 2023 gewählt. „Moore sind für die Bindung von CO2 wichtig und ein Zuhause für seltene Arten“, begründet Stefan Meier, Präsident der Baum des Jahres Stiftung, die Wahl. Im Loki-Schmidt-Garten sind einige Moor-Birken im Bereich des Alpinums zu finden. Am Rande einer Heidefläche (Calluna vulgaris, Pflanze des Jahres 2019) wurde vor einer Gruppe älterer Moor-Birken liebevoll ein Sitzplatz angelegt.

Die einjährigen Triebe und Blätter sind bei Moor-Birken (Betula pubescens) von einem zarten Haarflaum überzogen.

Wie es der deutsche Name schon verrät, bevorzugt die Moor-Birke moorige und feuchte Standorte in voller Sonne. Typische Lebensräume sind Moor- und Bruchwälder, Auenwälder und feuchte Waldlichtungen. Als anspruchsloses, schnell wachsendes Pioniergehölz besiedelt sie auch Kahlschläge und Brandflächen. Sie hält Temperaturen bis zu minus 40 Grad Celsius aus.

In Deutschland findet man die Moorbirke häufig am Rand von Mooren. Der markante Baum bildet eine eher unregelmäßige, ovale, eher schmale, offene Krone und wird bis zu 30 Meter hoch. Vor einigen Jahren hat man herausgefunden, dass der Rindeninhaltsstoff Betulin sich über die Jahre einlagert und die Rinde vor Nässe, Temperaturschwankungen, Sonneneinstrahlung und Tierfraß schützt. Betulin schützt nicht nur die „Baumhaut“, sondern auch die menschliche Haut.


Der stark entzündungshemmende Stoff fördert die Hautregeneration, beschleunigt den Heilungsprozess und hat juckreizstillende und antibakterielle Eigenschaften. Als Frühjahrskur wird in einigen Gegenden gerne Birkensaft verwendet, der entzündlichen Erkrankungen wie Rheuma oder Hautproblemen entgegenwirken soll. Er wird auch für die Herstellung von Haarwasser genutzt. Etwa 40 verschiedene Birken-Arten sind in den gemäßigten und subpolaren Regionen der Erde sowie in den Gebirgen der gesamten Nordhalbkugel heimisch.

Da Birken nicht von Insekten, sondern nur vom Wind bestäubt werden, produzieren sie extrem viele Samen, um die Erfolgschancen bei der Besiedelung von Rohböden und Freiflächen zu maximieren.

Sie haben sich ausgesprochen gut an die vorherrschenden Klimabedingungen angepasst. Das Wort Birke, von althochdeutsch bircha ist auf einen Begriff im indogermanischen zurückzuführen  und bedeutet so viel wie „glänzend, schimmernd“. Die einjährigen Triebe und Blätter sind bei Moor-Birken von einem zarten Haarflaum überzogen, daher der botanische Name pubescens = behaart. Moor-Birken sind auch unter dem Namen Haar-Birke, Behaarte Birke oder Flaumbirke bekannt.

Da Birken nicht von Insekten, sondern nur vom Wind bestäubt werden, produzieren sie extrem viele Samen, um die Erfolgschancen bei der Besiedelung von Rohböden und Freiflächen zu maximieren. So kann es vorkommen, dass unter günstigen Bedingungen pro Baum etwa vier Kilogramm Samen gebildet werden.


Birken können vielseitig genutzt werden. Früher wurde die wasserdichte Birkenrinde zum Abdichten von Dächern und für den Bootsbau verwendet. Birkenpech, ein schwarzer, teerartiger Rückstand, der bei der Destillation von Birkenrinde gewonnen wird, ist ein guter Klebstoff und eignet sich zum Abdichten und als Holzschutzmittel. Noch heute werden aus dem Reisig Besen hergestellt. Das mittelschwere Holz wird von der Industrie für Papier, Brennmaterial - geringe Funkenbildung - und für die Herstellung von Möbelstücken genutzt. Birkenzucker, auch Xylit genannt, gilt als eine gesunde Alternative zum herkömmlichen Zucker.


Birken können vielseitig genutzt werden. Früher wurde die wasserdichte Birkenrinde zum Abdichten von Dächern und für den Bootsbau verwendet.

Einige kleinere Birken-Arten eignen sich, ausgepflanzt oder im Kübel, sehr gut für den heimischen Garten. Der beste Pflanztermin ist im Frühjahr, wenn die Blattknospen sich gerade ein wenig öffnen, dem „Mausohr-Stadium“. Das Umpflanzen einmal eingewurzelter Bäume sollte man vermeiden und wenn nötig, nur mit einem großzügig dimensionierten Erdballen. Zur Förderung des Wurzelwachstums muss in der ersten Zeit nach der Pflanzung auf eine ausreichende Bodenfeuchte geachtet werden.

Falls nötig, sollte ein Rückschnitt im Herbst durchgeführt werden, da Birken im Frühjahr stark ausbluten. Im Winter brauchen sie keinen Schutz. Ein kleiner Tipp zum Schluss: Wer plant, eine Birke in den Garten zu pflanzen, sollte besser vorher seine Nachbarn fragen, ob eine Allergie gegen Birkenpollen vorliegt, denn der gelbe, feine Blütenstaub führt bei Birkenpollen-Allergikern zu Symptomen wie tränenden Augen, laufenden Nasen und Atembeschwerden.

Angela Jahns/ mk

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