Was wächst denn da? Teil 27
Herr Nordmann und seine Tanne
Man kann sie unmöglich alle kennen oder über Detailwissen zu den schönen Bäumen, Büschen, Gehölzen und Blumen verfügen, die in den vielen Gärten und Parkanlagen in den Elbvororten grünen und blühen. Mit Anne Krischok, die Vorsitzende der Gesellschaft der Freunde des Botanischen Gartens ist, und dem Team der Anlage an der Ohnhorststraße in Klein Flottbek, stellen wir einige Pflanzen vor und berichten über Besonderheiten. Passend zur Weihnachtszeit geht es diesmal um Tannenbäume.
Im Japangarten sind viele schöne Nadelgehölze zu bewundern. Fotos: Jahns
Bei einem Spaziergang durch den Botanischen Garten finden die Besucher die unterschiedlichsten Nadelbäume: Große, kleine, mit hellen, dunklen oder fast blauen Nadeln und großen oder kleinen Zapfen. Sie lernen die beliebtesten Weihnachtsbäume wie Nordmanntanne, Fichte und Edeltanne kennen sowie deren Verwandte.
Die Nordmanntanne, Abies nordmanniana, ist als Weihnachtsbaum deshalb so beliebt, weil sie meist einen gleichmäßigen Wuchs und eine schöne Nadeldichte aufweist. Außerdem pieksen ihre Nadeln nicht. Die Zweige sind recht stabil und biegen sich auch geschmückt nicht nach unten. Sie kann lange als Weihnachtsbaum im Wohnzimmer stehen, ohne die Nadeln zu verlieren. Selbst bei Zimmertemperatur bleiben die weichen, dunkelgrünen Nadeln fest an den Zweigen hängen. Zur besseren Haltbarkeit sollte ein Weihnachtsbaumständer mit einem Wasserbehälter verwendet werden.
Bei einem Spaziergang durch den Botanischen Garten finden die Besucher die unterschiedlichsten Nadelbäume.
Benannt wurde die Nordmann-Tanne 1842 nach dem finnischen Biologen Alexander von Nordmann. Er hatte sie 1835 im Kaukasus, im heutigen Georgien entdeckt. Aufgrund ihrer Herkunft wird sie auch Kaukasus-Tanne genannt. Die Fichte, Picea abies, hat einen buschigen Wuchs, dünne Äste sowie dunkelgrüne und nur leicht stechende Nadeln. In warmen Räumen verliert sie bereits nach wenigen Tagen die Nadeln. Natürlicherweise wachsen Fichten nur in kühlen Klimagegenden, wie in den Nadelwäldern Skandinaviens, Russlands oder im Gebirgsklima der Alpen. Aufgrund ihrer Holzqualität und des schnellen Wachstums wurden sie im vergangenen Jahrhundert großflächig in ganz Deutschland angepflanzt und daher „Preußenbaum“ genannt. Sie leiden jetzt zunehmend unter dem Klimawandel.
Die Zwerg-Formen der Nadelgehölze wachsen dagegen oft sehr kompakt und langsam und bilden im Japangarten ein schönes Bild.
In den 70er Jahren wurden Edeltannen, Abies nobilis, gerne als Weihnachtsbaum verwendet. Ursprünglich stammen sie aus den westlichen Gebirgen Nordamerikas. Sie haben einen kompakten, oftmals recht unregelmäßigen Wuchs. Ihre dicken, duftenden Nadeln können farblich von grün bis blaugrün variieren, sind weich und stechen nicht. Die Edeltanne ist besonders haltbar, so dass diese bis weit in den Januar stehen bleiben kann, ohne an Pracht zu verlieren. Sie wird auch gerne zum Binden von Adventskränzen verwendet.
Blaufichten, Picea pungens, zeichnen sich durch ihre blau schimmernden, stark stechenden Nadeln aus. Sie haben einen regelmäßigen Wuchs, und ihre starken Äste tragen auch schweren Schmuck.
Douglasien, Pseudotsuga menziesii, haben dünne, weiche Nadeln und biegsame Zweige, die nur leichten Christbaumschmuck zulassen. Sie wurden im 18. Jahrhundert von dem schottischen Botaniker Douglas von Nordamerika nach Europa gebracht. Die Korea-Tanne, Abies koreana, kommt aus Korea, hat hell- bis silbergrüne, lange haltende Nadeln. Für den Hausgarten sind die vorgestellten Nadelbäume nur bedingt geeignet. Sie werden oft recht groß und sind auch im Topf nur eine begrenzte Zeit zu halten.
Die Zwerg-Formen dieser Koniferen wachsen dagegen oft sehr kompakt und langsam. Sie können viele Jahre in Töpfen bleiben. Sie können im Winter weihnachtlich geschmückt werden und so lange Freude bereiten. Zu den beliebtesten Nadelgehölzen im Topf zählt die Zuckerhutfichte. Sie wird oft schon fertig geschmückt im Handel angeboten. Nadelbäume, die normalerweise sehr groß werden, können geschnitten werden und als Großbonsais im Topf oder im Garten verwendet werden.
Die Österreichische Schwarzkiefer ist ein imposanter Baum.
Getopfte Nadelgehölze sollten nur eine kurze Zeit in einen warmen Raum stehen. Am besten ist es, sie erst Heiligabend oder kurz davor von draußen rein zu holen, zu gießen und gleich nach Weihnachten wieder raus zu stellen. Sie verdunsten auch in der Kälte Wasser und müssen an frostfreien Tagen gegossen werden. Ein schattiger oder halbschattiger Standort verringert die Verdunstung und schützt vor Frost. Das Einwickeln des Topfes mit Schutzmaterial - Noppenfolie, Kokosmatten, Wollvlies - verhindert das ständige Auftauen und Durchfrieren des Wurzelbereiches. Im Frühling werden die Pflanzen einem Langzeitdünger für Kübelpflanzen gedüngt.
Aber auch vermeintlich kleinbleibende Koniferen werden größer! Sehr schön zu sehen ist das bei der Picea abies 'Ohlendorffii' im Apothekergarten. Sie wächst fünf bis sieben Zentimeter pro Jahr, hat aber im Laufe der Jahre eine stattliche Größe erreicht. Falls der Weihnachtsbaum nach dem Fest im Garten ausgepflanzt werden soll, sollte man in einer Baumschule Bäume kaufen, die schon im Kübel gewachsen sind und eine gut ausgebildete Wurzel haben. Um den Baum optimal einzupflanzen, sollte das ausgehobene Pflanzloch mindestens die doppelten Maße des Wurzelballens haben. Grundsätzlich muss der Boden beim Pflanzen frostfrei sein. Um den jungen Baum vor starkem Wind zu schützen empfiehlt sich ein Stützpfahl, bis die Wurzeln im Erdreich verwurzelt sind. Im Sommer muss der Baum regelmäßig gewässert werden.
Angela Jahns/ mk
Näheres zur Botanik der Nadelgehölze können Interessenten hier downloaden:
Ein für Weihnachten geschmückter Tannenbaum.