Was wächst denn da? - Teil 5
Beete, die Besucher begrüßen
Man kann sie unmöglich alle kennen oder über Detailwissen zu den schönen Bäumen, Büschen, Gehölzen und Blumen verfügen, die in den vielen Gärten, Wintergärten und Parkanlagen in den Elbvororten grünen und blühen. Mit Anne Krischok, die Vorsitzende der Gesellschaft der Freunde des Botanischen Gartens ist und dem Team der Anlage an der Ohnhorststraße in Klein Flottbek, stellen wir einige Pflanzen und Gärten vor und berichten über Besonderheiten. Diesmal geht es um die von vielen Besuchern bewunderten bunten Beete im Eingangsbereich. Vielleicht bieten die Rabatten ja einige Anregungen für den eigenen Vorgarten?
Im Unterschied zum Wechselflor-Beet und zu den Gemischten Rabatten am Hauptweg besitzt die Staudenpflanzung am Loki Schmidt Haus keinen Beet-, sondern einen Freiflächencharakter. Fotos: Jahns
Die Besucher des Botanischen Gartens Hamburg werden vor dem Eingang vom einem farbenfrohen Schaubeet mit jährlich zweimal wechselnder Bepflanzung empfangen. Gleich hinter der Eingangspforte gibt es Beete mit einer Pflanzenmischung aus mehrjährigen winterharten und nicht winterharten Pflanzen. Später folgt am Loki Schmidt Haus eine Staudenpflanzung.
Die verschiedenen Formen der Pflanzenverwendung werden von einem Gärtner betreut, der alle drei Pflanzungen kontinuierlich zu einer moderneren, zeitgemäßeren Form weiterentwickelt. Außer bekannten Pflanzen werden hier auch Neuheiten und ungewöhnliche Pflanzen-Kombinationen gezeigt. Die Abfolge aus Wechselflor, gemischter Rabatte und Staudenpflanzung ist auch ein Verweis auf eine historische Entwicklungen in der Pflanzenverwendung.
Im Laufe des Sommers entwickelt sich die Wechselflor-Pflanzung in ein üppiges, formenreiches, hoch aufragendes und exotisch anmutendes Beet.
Wechselflor
Einem bunten Tulpenbeet mit einer Unterpflanzung aus Vergißmeinnicht im Frühjahr folgt eine üppige, formenreiche Sommerbepflanzung aus überwiegend einjährigen oder nicht winterharten Arten und Sorten. Besonderen Wert wurde bei der Gestaltung dabei auf ungefüllt blühende, insektenfreundliche Pflanzen, unter anderem Bischofskraut (Ammi majus), Mickymaus-Pflanze (Cuphea llavea)) und solche mit interessanten Wuchs- oder Blattformen, wie Süßkartoffel (Ipomoea batatas), Hawaiianischer Beifuß (Artemisia mauiensis 'Makana Silver') gelegt. Im Laufe des Sommers entwickelt sich die Pflanzung in ein üppiges, formenreiches, hoch aufragendes und exotisch anmutendes Beet. Außer vielfältigen Rot- und Grüntönen kommen kontrastierendes Orange und Magenta zum Einsatz. Blattfarben spielen eine große Rolle. Die Bepflanzung besteht zu 95 Prozent aus Einjährigen (Annuellen) und mehrjährigen, aber nicht frostharten Arten sowie Knollengewächsen.
Die Beetvorbereitung für das kommende Jahr beginnt im Herbst. Im Oktober werden mit Beginn der ersten kalten Nächte die Reste der einjährigen Pflanzen beseitigt, kälteempfindliche Pflanzen werden ins Gewächshaus zur Überwinterung gebracht, dann wird der Boden umgegraben. Anschließend werden verschiedene Tulpensorten in abgestimmten Farben, Blütenformen und Blütenzeitpunkten gesetzt. Sobald Mitte März die ersten grünen Blattspitzen der Tulpen zu erkennen sind, werden rosa Vergißmeinnicht gepflanzt. Nach den Eisheiligen werden die Tulpenzwiebeln und Vergißmeinnicht ausgegraben, der Boden umgegraben und neu bepflanzt.
Die traditionellen Wechselflorpflanzungen beeindrucken vom Frühjahr bis zum Herbst mit ihrem Blütenreichtum. Sie werden nach wie vor von vielen Pflanzenliebhabern geschätzt. Sehr beliebt waren diese üppigen, aus heutiger Sicht oft kitschigen Pflanzungen im viktorianischen England. In Deutschland zeigte man diese Art der Pflanzenverwendung seit Beginn des 20. Jahrhunderts gerne im öffentlichen Raum, zum Beispiel auf Gartenschauen, in Kurgärten und Stadtparks. Der Wechsel von Frühjahrs- und Sommerflor und der damit erforderliche zweimalige Austausch der Bepflanzung innerhalb eines Jahres ist verbunden mit erheblichem Arbeits-, Material- und Pflanzeneinsatz und widerspricht der Nachhaltigkeit. In der klassischen Wirtschaftsweise werden die ausgetauschten Pflanzen nach ihrer Nutzung kompostiert. Nur wenige Pflanzen werden im Gewächshaus weiterkultiviert und im nächsten Jahr wiederverwendet.
Die gemischte Rabatte oder Mixed Border war in England im späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts sehr beliebt und ist es eigentlich bis heute.
Gemischte Rabatte
Im Gegensatz zum Wechselflor wachsen in einer gemischten Rabatte einjährige und mehrjährige Pflanzen nebeneinander. Die klassische gemischte Rabatte beidseitig des Hauptweges wurde in den vergangenen Jahren zu einer Rabatte mit überwiegend mehrjährigen Pflanzen weiterentwickelt. Nur ein geringer Anteil an Pflanzen, bestehend aus frostempfindlichen Arten, wie Honigtrauch (Melianthus major) wird im Gewächshaus überwintert.
Die gemischte Rabatte oder Mixed Border war in England im späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts sehr beliebt und ist es eigentlich bis heute. Der Schwerpunkt liegt auf Stauden, die mit einjährigen, frostempfindlichen mehrjährigen Pflanzen, Zwiebel- und Knollengewächsen sowie Gehölzen zu arten- und sortenreichen, sehr ansprechenden Pflanzungen kombiniert werden. Die Blüten- und Blattfarben und -formen stehen bei der Gestaltung im Vordergrund. Auf die Verwendung der Pflanzen nach Lebensräumen wird weniger geachtet.
Staudenbeet
Im Unterschied zum Wechselflor-Beet und zu den Gemischten Rabatten am Hauptweg besitzt die Staudenpflanzung am Loki Schmidt Haus keinen Beet-, sondern einen Freiflächencharakter. Viele Pflanzen stammen aus dem Lebensbereich Steppenheide und haben einen verhältnismäßig geringen Wasserbedarf. Jedoch handelt es sich auch hier um eine individuelle Gestaltung und nicht um einen Kiesgarten, eine Prärie- oder sonstige Form von Steppenpflanzung. Durch Selbstaussaat vieler Arten verändert sich das Bild der Pflanzung jährlich.
Angela Jahns/mk