„Wir wollen friedenstüchtig werden“
Ostermarsch: Aktivisten demonstrieren in Zeiten von Kriegen und Konflikten
Auf dem Wedeler Ostermarsch am Sonnabend, 4. April, demonstrieren Friedensaktivisten gegen „Kriegstüchtigkeit“. Wie sich ihrer Meinung nach Konflikte besser lösen lassen.

Seit Jahrzehnten organisieren die Friedensaktivisten den Ostermarsch in Wedel, der in diesem Jahr am 4. April stattfindet. Foto: Christiane Tauer
Den Friedensaktivisten aus dem Kreis Pinneberg dürften die heutigen Zeiten wie ein Déjà-vu vorkommen. Während in Deutschland der Wehrdienst ein Comeback erlebt und die Regierung Milliarden für die Aufrüstung bereitstellt, gibt es weltweit weiterhin Kriege und Konflikte wie in der Ukraine, im Nahen Osten oder Afrika. „Was hier passiert, ist eine Rolle rückwärts, und das tut mir gegenüber der jungen Generation wirklich weh“, sagt Uta Amer. Sie wird einer der Rednerinnen beim diesjährigen Wedeler Ostermarsch sein, der am Sonnabend, 4. April, ab 10 Uhr, stattfindet.
Unter dem Motto „Kriege stoppen – Nein zu Kriegsvorbereitung und Kriegstüchtigkeit“ wird das Friedensnetzwerk an dem Tag vom Rathausplatz aus durch die Stadt ziehen und sein Anliegen deutlich machen. Mit dabei sein werden auch Vertreter der Gruppe „Schulstreik gegen Wehrpflicht“. Im Anschluss ist eine Diskussionsrunde auf dem Theaterschiff „Batavia“ und ein Fest mit Musik, inklusive Ostereiersuche, Essen und Trinken geplant. Das Ostermarschlied „Schräge Vögel“ wird erklingen, außerdem tritt die „Grupo Amistad“ auf, die lateinamerikanische Musik präsentiert. 100 bis 300 Menschen hätten in den vergangenen Jahren am Ostermarsch teilgenommen, sagt Mit-Initiator Jens Wilke. Mit dieser Zahl rechneten sie auch in diesem Jahr, „obwohl wir uns natürlich mehrere Tausend wünschen würden“.

Die Organisatoren des Ostermarschs hoffen auf viele Teilnehmer, die mit ihnen durch die Straßen Wedels ziehen – wie hier im Jahr 2002. Foto: Jasker
Dass die Friedensaktivisten 45 Jahre nach dem ersten Ostermarsch in Wedel und mehr als 60 Jahre nach den ersten Ostermärschen Anfang der 1960er-Jahre in Deutschland noch immer gegen nukleare Waffen und Aufrüstung kämpfen, hält Irmgard Jasker ähnlich wie Uta Amer für das eigentlich Traurige an der Sache. Die 81 Jahre alte ehemalige Wedeler Rektorin setzt sich seit Jahrzehnten für den Frieden und gegen Rechts ein und wurde dafür im vergangenen Jahr mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande geehrt. Frustration spüre sie dennoch nicht, betont sie. Sie und ihre Mitstreiter sehen die aktuelle politische Lage eher als Ansporn, sich weiter zu engagieren. Auch dass hoffentlich viele junge Menschen mitmachen, sei für sie Motivation.
Aber was sagen die Friedensaktivisten zu denjenigen, die angesichts der „Zeitenwende“ auf die Notwendigkeit der Aufrüstung verweisen? „Das Seltsame ist ja, dass die Begriffe plötzlich verdreht sind und Frieden und Sicherheit durch Militarisierung erreicht werden sollen“, sagt Irmgard Jasker. Deutschland müsse nicht kriegs-, sondern friedenstüchtig werden, so ihre Meinung. „Wir lassen uns nicht zu Feinden machen“ – dieses bekannte Zitat eines christlichen Palästinensers sehen die Friedensaktivisten sinnbildlich für ihre Arbeit. Um Konflikte zu lösen, müsse man auf Diplomatie und das Einhalten der UN-Charta setzen, betonen sie. Genau dafür machen sie sich beim Ostermarsch stark.
ct