Der Rissener - Elbflair media GmbH

Zoff um die Zukunft der Waitzstraße

Wird aus einer Einkaufsstraße eine Fußgängerzone?

In den vergangenen Jahren vorgenommene Umbaumaßnahmen an der Waitzstraße, wie die Umwandlung der quer zur Fahrbahn liegenden Parkplätze in Längsparkplätze oder das Errichten von 60 Spezialpollern, konnten die Schaufenster-Unfälle nicht verhindern.

In den vergangenen Jahren vorgenommene Umbaumaßnahmen an der Waitzstraße, wie die Umwandlung der quer zur Fahrbahn liegenden Parkplätze in Längsparkplätze oder das Errichten von 60 Spezialpollern, konnten die Schaufenster-Unfälle nicht verhindern. Fotos: mk


OTHMARSCHEN
9. Februar 2023
LOKALES

UPDATE

  • Die Geschäftsleute werden aktiv und haben nun eine Unterschriftenliste in den Läden entlang der Waitzstraße ausgelegt. „Uns hat niemand – nicht die Politik und auch nicht das Bezirksamt – gefragt, wie wir zu den Vorschlägen stehen“, sagt Arne Ehlers, Mitglied der Interessengemeinschaft Waitzstraße und Inhaber eines Papier-Fachgeschäfts und einer Buchhandlung, die zu den ältesten in Hamburg gehört. Die Vorschläge der Unfallkommission gefährden den Einkaufsstandort und haben laut Ehlers auch massiven Einfluss auf die Aufenthaltsqualität an der „Waitze“. „Wir wollen das Flair nicht verlieren. Deshalb fordern wir, dass die Schrägparkplätze erhalten bleiben und es keinesfalls dazu kommt, dass hier eine Kommunalstraße ohne Fahrzeugverkehr geschaffen wird. Wir plädieren außerdem für weitere Sicherheitsmaßnahmen“, betont er. Wer mag, kann sich bei uns die Liste herunterladen und ausdrucken.

Zum Download


Ein Vorfrühlingstag an der Waitzstraße: Die Cafés haben ihre Außenbestuhlung aufgebaut, und einige Gäste genießen die ersten wärmenden Sonnenstrahlen. Es ist vor allen Dingen ein Thema, was die Besucher, aber auch die Geschäftsinhaber beschäftigt, denn die Waitzstraße hat durch die Häufung von Schaufensterunfällen traurige Berühmtheit erlangt: Ob nun im Mai 2021 ein Fahrer mit seinem Auto in das Gebäude eines Kreditinsituts crashte oder gerade erst im Dezember 2022 gegen die Bestuhlung eines Cafés – es sind durchweg Senioren, die für diese Unfälle verantwortlich sind. Bereits 2020 waren es 24 Unfälle dieser Art, die von älteren Fahrern verursacht wurden. Auch in den vergangenen Jahren vorgenommene Umbaumaßnahmen, wie die Umwandlung der quer zur Fahrbahn liegenden Parkplätze in Längsparkplätze oder das Errichten von 60 Spezialpollern, konnten die Zusammenstöße nicht verhindern.


Kürzlich gab es eine Begehung der Straße durch Bezirksamtsleitung, Polizei und weiteren Verwaltungsmitarbeitern. Die so genannte Unfallkommission hat unter anderem geprüft, wie die Waitzstraße sicherer werden könnte. Ein Bericht liegt noch nicht vor, doch liegen unserer Zeitung einige Ergebnisse aus dem Protokoll des Termins vor. Darin werden drei Vorschläge gemacht. So könnte die Anordnung von Parken in Längsrichtung auf der rechten Fahrbahnseite Unfälle vermeiden, ebenso, wie weitere Sicherheitsmaßnahmen – zum Beispiel noch mehr Poller - oder auch eine Umwidmung in eine so genannte Kommunalstraße ohne Autoverkehr.


Die Waitzstraße als Poller-Trasse oder gar nur für Fußgänger als Flaniermeile? „Generell bin ich auf der Grundlage der bislang vorliegenden Informationen der Meinung, dass die Waitzstraße ihren Charakter als leicht erreichbare Versorgungsstraße behalten muss. Sie stillzulegen, das kommt für mich aus heutiger Sicht nicht in Betracht“, sagt dazu Wolf Achim Wiegand, stellvertretender FDP-Fraktionsvorsitzender in der Bezirksversammlung Altona und verkehrspolitischer Sprecher der FDP.


Als Sofortmaßnahme, so Wiegand weiter, sollten die bereits als Blockaden aufgestellten Granitpoller und schweren Stadtmöbel alle fest im Boden verankert werden, „damit keine mehr durch auffahrende Fahrzeuge weggeschoben werden können und passierende Menschen gefährden.“ 


Auch die CDU-Bürgerschaftsabgeordnete Dr. Anke Frieling lehnt die Flaniermeilen-Idee ab. „Wir haben hier eine andere Situation als in Ottensen. Das Zusammenspiel als Standort von vielen Ärzten und Nahversorgern und die gute Erreichbarkeit haben sich bewährt“, sagt sie. Daher sollten besser mehr Poller, wo nötig, oder andere Sicherheitsmaßnahmen installiert werden. „Das sollte aber nicht dazu führen, dass die ganze Straße zugepollert wird“, betont die CDU-Bürgerschaftsabgeordnete. 

Melanie Mallon, Teeberaterin eines Tee-Fachgeschäfts, befürchtet erhebliche Standortnachteile, wenn die Einkaufsstraße zur Fußgängerzone wird.

„Ich lehne eine Flaniermeile ab. Das fördert nicht unseren Standort, weil dann die Leute hier nicht mehr ihre Autos abstellen können. Die wandern dann ab und kaufen woanders ein oder treffen sich in einem anderen Stadtteil zum Essen und Kaffee trinken“, sagt Andreas Frank, Vorsitzender der Interessengemeinschaft Waitzstraße. Auch von der Einrichtung von mehr Längsparkplätzen hält er nichts. „Dann verlieren wir mindestens 40 Abstellmöglichkeiten. Ich bin ebenfalls gegen noch mehr Poller. Das wird nichts ändern“, sagt er. 


Valentina und Julia (re.) können sich die Waitzstraße als Flaniermeile sehr gut vorstellen. 

Das sieht Melanie Mallon, Tee-Beraterin eines ortsansässigen Tee-Fachgeschäft, genauso. „Eine reine Flaniermeile wäre geschäftsschädigend, besonders für die inhabergeführten Läden. Dass man vor den Geschäften und Arztpraxen parken kann, ist ein wichtiger Standortfaktor.“
Es gibt jedoch auch andere Meinungen. So könnten sich die beiden jungen Frauen Julia und Valentina, die sich in einem Kaffee an der Waitzstraße getroffen haben, durchaus eine Fußgängerzone vorstellen. „Das finde ich gar nicht schlecht“, sagt Valentina, und Julia nickt.
 

Was nun unternommen wird, darüber wird noch beraten. Und wenn es nach den Geschäftsinhabern geht, so soll es eine weitere Vor-Ort-Begehung geben. „Wir gehen gerne mit der Bezirksamtsleiterin Stefanie von Berg durch die Waitzstraße und erläutern ihr unsere Sicht“, so Andreas Frank.

mk

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