Mitten im Leben
Schreiben zwischen Straße und Schaufenster
Statt im stillen Arbeitszimmer sitzt Frank Rommerskirchen mitten im Leben und schreibt an seinem neuen Roman: in einem Glaspavillon, an der Wedeler Landstraße, in Rissen.

Frank Rommerskirchen schreibt an seinem neuen Roman „Sisiphos“ – in einem der Glaspavillons an der Wedeler Landstraße. Fotos: mk
Ein Klapptisch, ein Schirm in leuchtend orange und ein gleichfarbiger Flauschteppich: Das ist die einzige Einrichtung in einem der Glaspavillons an der Wedeler Landstraße. Und mehr benötigt Schriftsteller und Bühnenbildner Frank Rommerskirchen auch nicht, wenn er mit seinem Laptop dort an seinem neuen Roman „Sisiphos“ arbeitet. „Das Gebäude stand leer, und ich kam auf die Idee, dort einzuziehen, solange es noch keinen neuen Mieter gibt“, berichtet er unserer Zeitung. Also fragte er den Eigentümer- „Der hatte nichts dagegen. Es ist ja auch schön, wenn der Pavillon wieder belebt wird und nicht so leer und traurig aussieht“, so Rommerskirchen. Warum er nun dort und nicht zu Hause am Schreibtisch an seinem neuen Werk schreibt: „Ich finde es besser, wenn um ich herum Leben ist, da finde ich mehr Inspiration.“ Rommerskirchen hat nicht nur eine Literatur-Leidenschaft, sondern ist Bühnenbildner am „DAS DA“-Theater. Ab und an hatte er in Rissen in Cafés an seinen Büchern gearbeitet. „Hier, im Glaspavillon, gefällt es mir besser. Ich schaue auf die Straße und freue mich, wenn jemand vorbeischaut, und es ergeben sich interessante Gespräche.
Seit vier Wochen kommt er einige Tage für drei bis vier Stunden zu „seinem Pavillon“ und hat die ersten 120 Seiten fertig. „In meinem Buch geht es um den jungen Kunstschaffenden Lysander, der das perfekte Bild malen will – aber aus irgendwelchen Gründen nicht fertig wird. Auch seine Beziehungen sind nicht stabil. „Ich weiß noch nicht, wie das Ganze endet, wird es tragisch oder kommt er aus seiner Situation heraus.“ Auch Passanten fragen ihn nach seinem Vorankommen. „Ich freue mich über die Neugier und die Offenheit der Menschen.“ Und wenn der Glaskubus länger verfügbar ist, dann würde Rommerskirchen gerne dort zu Lesungen einladen und auch eine Schreibwerkstatt für Schriftstellerinnen und Schriftsteller aus dem Stadtteil anbieten. „Ich finde es toll, wenn man sich vernetzen kann und mal was Neues, Kulturelles hier in Rissen etabliert – so eine Pop-Up Literaturwerkstatt wäre doch toll.“
mk
