Der Rissener - Elbflair media GmbH

Kritik an Amtsführung

Politik leitet Abwahlverfahren gegen Bürgermeister ein

Bürgermeister-Eklat in Wedel: Politikvertreter haben nun das Abwahlverfahren eingeleitet. In der Ratsversammlung gab es harsche Kritik gegen die Amtsführung von Gernot Kaser.

Die Fraktionen luden im Anschluss an die Ratsversammlung zu einer Pressekonferenz ein, um ihr Anliegen zu erläutern. Fotos: ros


WEDEL
29. März 2024
POLITIK
Stephanie Rosbiegal

Das Interesse an der jüngsten Ratsversammlung war groß bei den Bürgerinnen und Bürgern der Stadt Wedel und den Pressevertretern. „So viel Aufmerksamkeit hatten wir noch nie“, sagte der Stadtpräsident Julian Fresch (CDU).

Der Antrag auf Einleitung des Abwahlverfahrens für Bürgermeister Gernot Kaser kam gemeinsam von allen Fraktionen außer der WSI, die aber ihre Unterstützung bei der Abstimmung erklärte. Das Ergebnis war mit 38 von 39 Stimmen eindeutig. Nur Dr. Valerie Wilms stimmte dagegen und legte ihr Mandat zum 31. März 2024 nieder, da sie nicht gewillt sei, bei der „Stimmungsmache gegen den Bürgermeister“ mitzumachen.


Gernot Kaser (links) bei seiner vorerst letzten Ratssitzung.

Gernot Kaser stellte sich in seiner kurzen Stellungnahme als Opfer dar. Er sei sich keiner Schuld bewusst und verwies auf die Belastung seiner Familie durch die Situation. Er räumte am Ende Führungsfehler ein. Diese sind laut Bericht des Personalrats massiv. Die Befragung unter den Verwaltungsmitarbeitenden ergab, dass die Zusammenarbeit durch Unzuverlässigkeit, Lügen, Druck, Unkenntnis und Beratungsresistenz geprägt sei. Das hat dazu geführt, dass ein Drittel der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gegangen ist oder dieses plant.

Im Kieler Innenministerium läuft immer noch das Disziplinarverfahren gegen Gernot Kaser wegen des Verdachts gegen seine Pflichten zur gewissenhaften Amtsführung sowie zu achtungs- und vertrauenswürdigem Verhalten gegenüber einem Mitarbeiter verstoßen zu haben. Alle Beteiligten betonten, dass es in der Auseinandersetzung nicht um die Person Gernot Kaser, sondern um seine Amtsführung ginge. „Es war ein schwieriger Entscheidungsprozess und brauchte viele Sondersitzungen, um sich zu positionieren“, sagte Kurt Lothar Barop (SPD) in der Pressekonferenz.


Die Entscheidung zur Einleitung eines Abwahlverfahrens war deutlich.

Man wollte dem Bürgermeister ohne Verwaltungserfahrung Zeit geben, hätte viele Gespräche mit Gernot Kaser geführt. „Wir sind ihm optimistisch, vielleicht etwas naiv begegnet“, sagte Julia Fisauli-Aalto, CDU. „Alle wollten helfen, dass Herr Kaser gut ankommen kann, aber er wollte den Rat übergehen“, sagte Angela Drewes (WSI). „Es gab eine übermäßige Amtsanmaßung“, so Dr. Detlef Murphy (DIE LINKE). „Herr Kaser hat die parlamentarische Demokratie nicht verstanden.“

Was passiert, wenn Gernot Kaser im Juni nicht abgewählt wird? „Dann müssen wir mit ihm weitermachen“, sagte Dagmar Süß, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN. „Schlechter als jetzt kann die Kommunikation kaum werden.“ „Aber es schadet der Stadt Wedel, wenn immer mehr Verwaltungsangestellte gehen oder erkranken und der Bürgermeister unzuverlässig gegenüber Unternehmen auftritt“, so Angela Drewes. 

ros

MÖGEN
LIEBEN
WOW
TRAURIG
WÜTEND

Vielleicht auch Interessant

- ANZEIGEN -

   Zurück zu Aktuelles

facebook sharing button
instagram sharing button
youtube sharing button