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Neuer Direktor des Botanischen Gartens – ein Interview

Am Ende des Tages steht immer die Wissenschaft dahinter

Der Botanische Garten hat einen neuen Direktor: Dominik Begerow (52), Professor für Evolution der Pflanzen und Pilze und seit 2019 Leiter des Botanischen Gartens der Ruhr-Universität Bochum, steht seit Anfang August am Ruder der Universitätseinrichtung. Was treibt ihn an? Unsere Redakteurin Michelle Kossel hat ihn für ein Interview getroffen – ganz klar, in seiner neuen Wirkungsstätte, dem Loki-Schmidt-Garten.

Hat viel vor: Prof. Dominik Begerow. Foto: mk


KLEIN FLOTTBEK
11. August 2022
LOKALES

Der RISSENER: Der Botanische Garten in Bochum, 1971 gegründet, mit seiner Hanglage, ist ja sehr verschieden im Vergleich mit dem Botanischen Garten in Hamburg mit seinen Anlagen am Dammtor und hier, im Loki-Schmidt-Garten. Was reizt Sie an der neuen Aufgabe?

  • Prof. Dr. Dominik Begerow: Ich kenne diese Anlage bereits seit 2018 von vielen Besuchen. Sie hat mit ihren 24 Hektar eine optimale Größe zum Zeigen von parkähnlichen Aspekten, Rasen- und Wasserflächen. Hier findet man schöne gartenbautechnische Elemente. Man kann quasi Japan, China und Amerika mit der jeweils landestypischen Flora bestaunen und Kurzurlaube im Hamburger Westen machen – das sind schöne Erlebnisse für die Besucherinnen und Besucher. Der Mix aus Wissenschaft und Landschaftsgestaltung, das ist doch einmalig und reizvoll. Dann gibt es ja noch die Gesellschaft der Freunde des Botanischen Gartens, die uns sehr hilft und fördert. Das ist nicht selbstverständlich und sehr beeindruckend.


Wie haben Sie die ersten Tage hier verbracht?

  • Es geht mir zunächst um Zuhören und Gucken, und ich möchte die Gärtnerinnen und Gärtner kennen lernen. Es gibt viel zu lernen – was ist hier auf diesen Böden machbar, wo gibt es formale Baustellen? Dann haben wir es hier auch mit nicht so schönen Problemen zu tun, wie zum Beispiel der Sanierungsstau an den Schaugewächshäusern am Dammtor.

Was möchten Sie gerne schnell anpacken?

  • Ich wünsche mir eine stärkere Einbeziehung des Loki Schmidt Hauses. Bislang hat man als Besucher das Gefühl, dass das Gebäude eher separat vom Garten gehalten ist. Außerdem möchte ich die Digitalisierung des Gartens vorantreiben und die Wissenschaftlichkeit erhöhen. Weiterhin kann der Garten mehr ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt werden. Wir haben hier Sammlungen, die richtig gut sind, wie etwa die Mittagsblumengewächse.

    Themenausstellungen, unter anderem über Kakao- und Kaffeepflanzen, könnten in den Gewächshäusern gezeigt werden. Da geht es nicht nur um die Pflanzen, sondern auch um die Geschichte Hamburgs, die ja auch mit Kaffee- und Gewürzhandel reich geworden ist. Wir müssen schauen, was machbar ist. Das gleiche gilt für den Ausbau von Führungen. Das ist auch eine Frage der Personal-Ressourcen. Aber es gibt hier viele gute Geschichten, die man erzählen kann und muss. Das kann man gar nicht auf die kleinen Info-Tafel drucken – aber gerade in der heutigen Zeit, wo wir über Klimawandel reden, ist es wichtig, ebendiese Infos und Geschichten zu bringen.


Wie sehen Sie generell den Garten im Zuge des Klimawandels?

  • Ich meine, wir haben in den vergangenen Jahrzehnten gut gelebt. Jetzt wird es für uns hier im Norden schwierig und anders. So gedeihen bei den Leuten im Garten und eben hier Pflanzen aus dem Mittelmeerraum. Wir hier fragen uns, wie wir mit dem Bewässerungsproblem und der Wasserknappheit künftig umgehen. Im Botanischen Garten experimentieren wir mit Böden und höheren Sandbeimischungen. Die Gärtner versuchen, mit dem Klimawandel umzugehen. Das ist eine große Herausforderung, der wir uns hier stellen müssen. Und da müssen wir Vertrauen in die Wissenschaft schaffen. Denn am Ende des Tages steht immer die Wissenschaft dahinter. Deshalb ist es so wichtig, dass wir informieren, was genau wir hier machen.


Vielen Dank für das interessante Gespräch.

mk

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