Zu streng für die WM?
Kritik an Altonas Vorgaben für Gastronomen
Streit um die WM-Stimmung in Altona: CDU und FDP kritisieren die Vorgaben des Bezirksamts zur Übertragung von WM-Spielen in der Außengastronomie.

Die Übertragung der WM-Spiele in einem Biergarten verfolgen: Im Hamburger Westen müssen Gastro-Betriebe strenge Auflagen beachten. Foto: Adobe Stock
Viele Fußballfans sind im WM-Fieber, und die lauen Sommerabende laden dazu ein, die Übertragung der Spiele in einem Biergarten mit Freunden vor einem großen Bildschirm zu verfolgen. Dafür müssen die Gastro-Locations aber beim Bezirksamt eine Sondernutzungsgebühr beantragen. Die Verwaltung erteilt diese jedoch nur mit folgender Auflage: „Die Benutzung oder Verwendung von Tonübertragungsgeräten und Musikinstrumenten ist nicht gestattet. Auch die Beschallung der Sondernutzungsfläche ist nicht gestattet“, heißt es auf Nachfrage beim Bezirksamt zu den Details.
Das heißt: Nix mit WM-Jubel und Sommermärchen im Biergarten. Wie wir erfahren haben, verteilen einige Betriebe sogar Kopfhörer an ihre Gäste, bitten um Zurückhaltung beim Jubeln oder verlagern das Spiele-Gucken nach drinnen. „Das ist für viele Fußballfans der halbe Spaß. Aber wir müssen uns an die Vorgaben halten und hätten uns mehr Entgegenkommen vom Amt gewünscht“, so ein Gastronom, der nicht genannt werden möchte.

Sven Hielscher, CDU, wünscht sich mehr Augenmaß von der Verwaltung.
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Die Vorgaben des Bezirksamts Altona sorgen auch bei Bezirksabgeordneten von CDU und FDP für Ärger. Nach Auffassung beider Fraktionen sendet das Bezirksamt damit ein falsches Signal zum Beginn des internationalen Sportereignisses. Die CDU spricht von einer unnötig restriktiven Haltung gegenüber Gastronomen und Gästen.
Fraktionsvorsitzender Sven Hielscher bemängelt insbesondere den Ton der Kommunikation. „Die Weltmeisterschaft ist eines der größten Sportereignisse weltweit und bringt Menschen zusammen. Statt die Gastronomie zu unterstützen, werden Betriebe durch pauschale Verbote verunsichert“, sagt er.
Auch die FDP-Fraktion äußert deutliche Kritik. Ihr stellvertretender Vorsitzender Constantin Jebe betont, eine Fußball-Weltmeisterschaft lebe von Gemeinschaft, Emotionen und dem gemeinsamen Erleben. Die Vorstellung, Menschen müssten zum Fußballschauen und Feiern gewissermaßen „in den Keller gehen“, werde dem Charakter eines solchen Ereignisses nicht gerecht.
Beide Fraktionen verweisen darauf, dass die Interessen der Anwohner berücksichtigt werden müssten. Die CDU fordert jedoch mehr Augenmaß bei der Anwendung bestehender Regelungen und weist darauf hin, dass für bestimmte Veranstaltungen Ausnahmen beantragt werden können. Die FDP spricht sich ebenfalls für eine pragmatische und verhältnismäßige Verwaltungspraxis aus. Kurzfristiger Torjubel oder emotionale Reaktionen sollten im Kontext eines zeitlich begrenzten Sportgroßereignisses bewertet werden. Ebenfalls kritisch bewerten die Liberalen, dass das Schreiben des Bezirksamts veröffentlicht wurde, bevor eine politische Diskussion in der Bezirksversammlung stattgefunden habe. Mit einem Antrag will die FDP erreichen, dass sich die Bezirksversammlung mit dem Thema befasst.
Sowohl CDU als auch FDP werben für einen Ausgleich zwischen den berechtigten Interessen der Anwohner und dem Wunsch vieler Bürger, die Spiele gemeinsam in Restaurants, Bars oder Cafés zu verfolgen. Eine Weltmeisterschaft finde nur alle vier Jahre statt und solle nach Auffassung beider Fraktionen auch im öffentlichen Leben sichtbar und erlebbar sein.
mk
