Der Rissener - Elbflair media GmbH

Zehn Jahre Buntes Haus

Ein Ort, der Herzen öffnet

Was vor zehn Jahren als Idee für mehr Toleranz und Zusammenhalt begann, ist heute ein fester Bestandteil Blankeneses: das Bunte Haus an der Blankeneser Bahnhofstraße 30.

Helga Rodenbeck blickt stolz auf zehn Jahre engagierte Arbeit für Geflüchtete im Bunten Haus zurück. Freunde, Nachbarn und viele Menschen aus dem Stadtteil feierten mit ihr. Foto: mk


BLANKENESE
22. Juni 2026
LOKALES
Michelle Kossel

Was mit einer Idee für ein sichtbares Zeichen für mehr Toleranz begann, ist heute aus dem Stadtteil kaum noch wegzudenken: Das Bunte Haus, an der Blankeneser Bahnhofstraße 30, feiert sein zehnjähriges Bestehen. Seit seiner Eröffnung hat sich die Einrichtung zu einem wichtigen Treffpunkt für Geflüchtete und Einheimische entwickelt – getragen von ehrenamtlichem Engagement und dem festen Glauben daran, dass Integration vor allem durch persönliche Begegnungen gelingt. Es ist vor allen Dingen dieses Miteinander, dass viele Besucher und Hilfesuchende begeistert. Deshalb hatte Leiterin Helga Rodenbeck mit ihrem Team im Rahmen der Jubiläumsfeierlichkeiten unter anderem zu einem geselligen Frühstück mit Musik eingeladen. So richtig gefeiert wurde dann beim Fest der evangelischen Kirchengemeinde auf dem Kirchvorplatz, am Mittwoch, 24. Juni. „Dieses Frühstück wird jede Woche, jeweils sonnabends, ausgerichtet. Hier treffen sich unter anderem Geflüchtete aus der Ukraine. Es ist wichtig, Erlebnisse in der neuen Heimat miteinander zu teilen“, so Helga Rodenbeck im Gespräch mit unserer Zeitung. Und genau so einen geschützten Raum wollte sie für Geflüchtete vor zehn Jahren schaffen.


Die Wurzeln des Projekts reichen allerdings noch deutlich weiter zurück. Bereits 1992 gründeten engagierte Blankeneser Bürgerinnen und Bürger gemeinsam mit Sozialarbeiterin Helga Rodenbeck und Pastor Klaus-Georg Poehls den Runden Tisch Blankenese. Ziel war es, Menschen zu unterstützen, die in Hamburg Schutz gesucht hatten, und ihnen den Start in einem neuen Lebensumfeld zu erleichtern.


Helga Rodenbeck kam eher zufällig zur Flüchtlingshilfe. „Über die Freundschaft meiner Tochter mit einem Mädchen aus einer polnischen Flüchtlingsfamilie lernte ich Anfang der 1990er Jahre die Lebenswirklichkeit von Menschen in einer Unterkunft am Björnsonweg kennen. Das hat mich geprägt“, berichtet sie.


Als in den Jahren nach 2015 viele Geflüchtete nach Deutschland kamen, entstand die Idee für einen festen Ort der Begegnung. Mit Unterstützung vieler Spenderinnen und Spender sowie lokaler Förderer konnten Räume in der Blankeneser Bahnhofstraße angemietet werden. „Es war gar nicht so einfach, einen Standort zu finden“, so die Sozialarbeiterin. Hier half ebenfalls der Zufall. „Ich habe mit einer Bekannten einen Elbspaziergang gemacht und erzählt, dass ich auf der Suche nach Räumlichkeiten in Blankenese bin. Sie sagte dann ‚nichts einfacher, als dass‘. Und sagte mir, an der Blankeneser Bahnhofstraße 30 sei gerade etwas frei geworden. Da habe ich schnell zugeschlagen.“


Dort öffnete das Bunte Haus seine Türen. Von Anfang an verstand sich die Einrichtung nicht nur als Beratungsstelle. Vielmehr sollte ein Ort entstehen, an dem Menschen miteinander ins Gespräch kommen, voneinander lernen und gemeinsame Erfahrungen sammeln können. Heute gehören Deutschkurse, Hilfe bei Behördengängen, Unterstützung bei der Wohnungs- und Arbeitssuche ebenso zum Angebot wie gemeinsame Frühstücke, kreative Workshops, Schachrunden und kulturelle Veranstaltungen.

Das Besondere am Bunten Haus ist dabei die große Zahl Ehrenamtlicher, die Woche für Woche ihre Zeit und ihr Wissen einbringen. Sie begleiten Familien zu Ämtern, geben Sprachunterricht, organisieren Veranstaltungen oder stehen einfach als Ansprechpartner zur Verfügung. Viele der entstandenen Kontakte haben sich im Laufe der Jahre zu dauerhaften Freundschaften entwickelt. Für ihr einzigartiges Engagement wurde Helga Rodenbeck bereits 2015 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Die Ehrung würdigte ihren Einsatz für Menschen, die in Deutschland eine neue Heimat suchen. Das Bunte Haus gilt heute als sichtbares Ergebnis dieser Arbeit und als Beispiel dafür, wie Integration auf lokaler Ebene gelingen kann.


Zehn Jahre nach seiner Gründung ist das Bunte Haus weit mehr als ein Projekt der Flüchtlingshilfe. Es ist ein Ort geworden, an dem Menschen unterschiedlicher Herkunft zusammenkommen, Vorurteile abbauen und Gemeinschaft erleben. In einer Zeit gesellschaftlicher Herausforderungen setzt das Haus damit ein Zeichen für Offenheit, Zusammenhalt und gelebte Nachbarschaft – mitten in Blankenese.

mk


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