Frühe Hilfen im Hamburger Westen
Ehrenamtliche entlasten junge Familien nach der Geburt
Das Angebot von wellcome richtet sich an Familien nach der Geburt eines Babys. Für Rissen werden noch Ehrenamtliche gesucht, die im Alltag helfen

„wellcome“ bietet Hilfe für junge Familien: Foto: Erik Hartung
Wenn ein Baby geboren wird, sind Familien in Aufregung. Egal ob beim ersten, zweiten oder dritten Kind – bis sich der Alltag neu sortiert hat, vergehen Wochen. Genau hier setzt das Angebot von wellcome ein. Das Sozialunternehmen entsendet Ehrenamtliche in Familien, damit die Eltern eine Auszeit nehmen können, fahren das Neugeborene spazieren oder lesen den älteren Geschwisterkindern vor, denn auch diese kommen in dieser Zeit oft zu kurz.
„Unser Angebot hat nichts mit dem sozialen Hintergrund der Familien zu tun, sondern richtet sich an Eltern, die zum Beispiel keine Verwandten vor Ort haben und einfach etwas Unterstützung brauchen“, sagt Annette zu Solms. Sie ist zusammen mit Carolin Fickinger und Anna-Lena Gehlert wellcome-Koordinatorin am Standort Osdorf, von dem aus seit Februar 2025 mittlerweile 13 Ehrenamtliche den Hamburger Westen versorgen – von Rissen über Blankenese, bis nach Bahrenfeld und Teilen Stellingens. Vor allem für das am Stadtrand liegende Rissen sei sie auf der Suche nach weiteren ehrenamtlichen Unterstützern aus der näheren Umgebung, sagt zu Solms. Fünf Familien seien dort noch unversorgt.
Was die Ehrenamtlichen bei den frischgebackenen Eltern erwartet, lässt sich in etwa mit den Aufgaben vergleichen, die oft auch Oma und Opa übernehmen. Sie kümmern sich ein- bis zweimal die Woche für jeweils bis zu drei Stunden um das Baby, damit Mama einmal ausschlafen kann, begleiten sie zu Arztbesuchen oder gehen mit den älteren Geschwistern auf den Spielplatz, damit die Eltern sich ungestört mit dem Neugeborenen befassen können. Häufig melden sich auch Eltern von Zwillingen, denn diese stellen oft eine besondere Herausforderung dar. Vom wellcome-Angebot, das auf die ersten zwölf Monate des Babys begrenzt ist, hätten viele meist über ihre Kinder- oder Frauenärzte oder die Leitung der Rückbildungskurse erfahren, sagt zu Solms.
Sie verdeutlicht auch, welche Aufgaben von den Ehrenamtlichen nicht übernommen werden: „Sie sollen keine Haushaltshilfe sein und müssen auch keine Erziehungsberatung leisten.“ Wenn es größere Probleme gebe, könnten sich die Eltern an sie und ihre zwei Kolleginnen wenden. „Tipps von Mutter zu Mutter können sie natürlich geben, wenn es für alle Seiten in Ordnung ist.“
Dabei sei eine Sache entscheidend: Die individuelle Absprache der Ehrenamtlichen mit der von ihnen betreuten Familie. So könnte zum Beispiel geklärt werden, ob auch das Wickeln oder Füttern des Babys übernommen werden soll. Für die Ehrenamtlichen, das betont Annette zu Solms, sei der Einsatz eine wirkliche Herzensangelegenheit. „Sie haben einfach Freude daran, ihre Zeit mit Kindern zu verbringen.“
Das Angebot der wellcome gGmbH wurde 2002 von der Sozialpädagogin Rose Volz-Schmidt in Hamburg ins Leben gerufen. Mittlerweile gibt es mehr als 200 Standorte in Deutschland, Österreich und der Schweiz, die mit jeweils unterschiedlichen Trägern zusammenarbeiten. Am Standort Osdorf ist es die Fröbel Bildung und Erziehung gGmbH, Kindergarten Elbwichtel.
Familien, die das Angebot nutzen, schließen mit wellcome eine schriftliche Vereinbarung und zahlen neben einer Vermittlungsgebühr fünf Euro pro Stunde. Davon wird unter anderem die Versicherung der Ehrenamtlichen finanziert. Wer das wellcome-Team – insbesondere für Familien aus Rissen – als Ehrenamtliche unterstützen möchte, kann sich unter hamburg.osdorf@wellcome-online.de melden.
