Osterfeuer in Blankenese
„Die Zeit des Großevents ist vorbei“
Die vier großen Osterfeuer am Blankeneser Elbstrand zogen in der Vergangenheit bis zu 25 000 Besucherinnen und Besucher an, ist ein Highlight im Stadtteil und wurde auch von Hamburg-Tourismus beworben. Wie berichtet, rechnet das Bezirksamt Altona nun mit Kosten bis zu 60 000 Euro für diese Traditionsveranstaltung. Geld, das unter Umständen von den Feuerbauern bezahlt werden müsste, wenn sie ihre vier Osterfeuer offiziell bei der Verwaltung als Event anmelden würden – was jedoch nun Vorschrift ist, so das Bezirksamt.

Die Osterfeuer haben nur als kleines, lokales Brauchtum eine Chance – so Stefanie von Berg. Foto: Adobe Stock/Nils
Mittlerweile gab es fünf Gespräche zum Thema mit den Feuerbauern und dem Bezirksamt. Die Familien, die sich seit Generationen um das Feuer bemühen, weigern sich, die Veranstaltung anzumelden und sich um Sicherheit und Müllbeseitigung zu kümmern. Jetzt soll Bezirksamtsleiterin Stefanie von Berg der Kragen geplatzt sein. „Irgendjemand hat mir gesagt: Das ist so, als ob man ganz viele Leute zu einer Party einlädt, aber nicht bereit ist, die Stühle und Tische aufzubauen, die Getränke und das Essen zu kaufen und hinterher wieder aufzuräumen“, sagte sie in einem Mediengespräch.
Ergab eine Anfrage unserer Zeitung noch vor wenigen Wochen, dass vor allen Dingen finanzielle Aspekte gegen die Veranstaltung sprechen würden, rückt von Berg nun jedoch die Sicherheit in den Vordergrund. Hamburg bezahle weiterhin den Einsatz von 130 Polizeikräften und der Feuerwehr. Aber wer trage 30 000 Euro für den Sanitätsdienst und die Müllbeseitigung, so die Bezirksamtsleiterin. Das Osterfeuer habe nur als kleines, lokales Brauchtum eine Chance.
Der Blankeneser Bürger-Verein (BBV) scheint auf ihrer Seite zu sein. „Hamburg will die jahrhundertealte Tradition der Osterfeuer unbestritten fortführen. Die Veranstaltung bedarf allerdings keiner Genehmigung, wenn mit weniger als 10 000 Teilnehmern zu rechnen ist und kein erhöhtes Gefährdungspotenzials für Leib oder Leben der Veranstaltungsteilnehmer zu erwarten ist. Daher fordern wir die Stadt auf dafür Sorge zu tragen, dass die Osterfeuer in kleinerer Form mit weniger Zulauf von außen durchgeführt werden dürfen und die Tradition fortleben kann“, sagt Benjamin Harders, Vorsitzender des BBV und Grünen-Bezirksversammlungsabgeordneter. Das Bezirksamt Altona müsse als zuständige Ordnungsbehörde Sicherheitskonzepte für Großveranstaltungen erstellen, wenn es keine eigenen Veranstalter gibt. Ohne Einstufung als Großveranstaltung würden diese erheblichen Kosten allerdings größtenteils nicht anfallen, so Harders.
Das sieht Wolf Achim Wiegand, Blankeneser FDP-Bezirksversammlungsabgeordneter, anders. Als Kind und Jugendlicher habe er selbst die Osterfeuer mit aufgebaut, sagt er im Gespräch mit unserer Zeitung. „Das uralte Brauchtum muss erhalten werden. Die vier Ostersonnabend-Feuer Viereck, Knüll, Osten und Mühlenberg sind eine Gemeinschaftsleistung junger und alter Einwohner. Das Event gehört zur sinnstiftenden Identität des Stadtteils. Es nutzt außerdem Gastronomie und Tourismus. Ich erwarte vom Bezirksamt kein Blocken, sondern den Einsatz aller Kräfte für Finanzierungsmodelle“, so Wiegand.
Für Henrik Strate, SPD-Bezirksversammlungsabgeordneter, ist indes klar: „Frau von Berg will diese Veranstaltung einfach nicht und fährt Gründe auf, um sie eben nicht möglich zu machen.“ Oliver Diezmann, Vorsitzender der Blankenese Interessen-Gemeinschaft, stimmt zu. „Das sind vorgeschobene Gründe, weil das Event nicht gewollt wird. Tatsächlich scheint für Stefanie von Berg festzustehen: „Die Zeit des Großevents ist vorbei.“
mk
