34-Millionen-Projekt eröffnet
Ärger und Buhrufe bei Hafen-Feier in Wedel
Die neugestaltete Ostpromenade am Stadthafen Wedel ist am Sonnabend offiziell eröffnet worden. Mit neuen Aufenthaltsflächen, modernisiertem Hochwasserschutz, Gastronomie und direktem Blick auf die Elbe gilt das Projekt als eines der größten Städtebauvorhaben der vergangenen Jahrzehnte in Wedel. Doch ausgerechnet die Form der Eröffnungsfeier sorgte bei vielen Gästen für deutlichen Ärger.

Freude über den fertigen Stadthafen: Fachbereichsleiterin Bauen und Umwelt Claudia Broekhuis (von links), Bürgermeisterin Julia Fisauli-Aalto und Wedels ehemaliger Bürgermeister Niels Schmidt eröffneten das neugestaltete Hafenareal offiziell. Fotos: mh
Die neugestaltete Ostpromenade am Stadthafen Wedel ist am Sonnabend offiziell eröffnet worden. Mit neuen Aufenthaltsflächen, modernisiertem Hochwasserschutz, Gastronomie und direktem Blick auf die Elbe gilt das Projekt als eines der größten Städtebauvorhaben der vergangenen Jahrzehnte in Wedel. Doch ausgerechnet die Form der Eröffnungsfeier sorgte bei vielen Gästen für deutlichen Ärger, Unverständnis und teilweise sogar Buhrufe.
Denn, obwohl es um ein Projekt mit Gesamtkosten von rund 34,2 Millionen Euro geht, wirkte die Veranstaltung auf viele Besucher erstaunlich improvisiert. Statt Bühne, klarer Besucherführung oder professioneller Beschallung standen die Gäste dicht gedrängt um die Redner herum. Viele Menschen konnten die Reden kaum verstehen, manche gar nicht. Vor allem ältere Besucher zeigten sich verärgert.
Teilweise erinnerte die Situation eher an eine spontane Kundgebung oder eine improvisierte Demonstration als an die offizielle Eröffnung eines der wichtigsten Stadtentwicklungsprojekte Wedels. Statt eines klar organisierten Festakts bildeten sich kleine Menschentrauben rund um die Redner, während andere Besucher versuchten, überhaupt etwas verstehen zu können.
Mitten im Gedränge versuchten Bürgermeisterin Julia Fisauli-Aalto, Fachbereichsleiterin Claudia Broekhuis und der ehemalige Bürgermeister Nils Schmidt gegen Wind und Gespräche anzureden. Immer wieder mussten Gäste zum Näherkommen aufgefordert werden, weil die Stimmen der Redner im offenen Hafenbereich untergingen. Zwischenzeitlich waren aus dem Publikum sogar Buhrufe und genervte Kommentare zu hören.
„Weil wir ja kein Geld haben, müssen wir heute alle ein bisschen improvisieren“, sagte Bürgermeisterin Fisauli-Aalto gleich zu Beginn der Veranstaltung. Auf Nachfrage erklärte sie später die fehlende Lautsprechertechnik mit den Bedingungen vor Ort. „Wir haben zwar eine Anlage bei uns, aber die fängt den Wind nicht ein“, sagte die Bürgermeisterin. Deshalb habe man versucht, die Veranstaltung den Gegebenheiten anzupassen. Doch genau diese Erklärung sorgte bei einigen Besuchern eher für weiteres Unverständnis. Denn viele Gäste fragten sich, warum bei einem Millionenprojekt keine funktionierende Beschallung möglich gewesen sei.
Auch Fachbereichsleiterin Claudia Broekhuis musste ihre Rede praktisch ohne Verstärkung halten. „Es gibt kein Mikrofon. Das schaffen wir nicht, im Hafengebiet dagegen anzukommen“, sagte sie und bat die Gäste, enger zusammenzurücken.
Unter den Besuchern war der Ärger deutlich spürbar. Immer wieder wurde während der Veranstaltung darüber diskutiert, dass kaum etwas zu verstehen sei. Viele Menschen versuchten näher an die Redner heranzukommen, andere gingen kopfschüttelnd weiter.
Besonders deutlich wurde Christa Meinberg aus Wedel. Sie kritisierte nicht nur die fehlende Lautsprecheranlage, sondern das gesamte Konzept der Veranstaltung. „Das war so leise“, sagte sie. Eigentlich biete der neue Hafenbereich aus ihrer Sicht perfekte Bedingungen für eine geordnete und würdige Eröffnung. „Wir haben hier diesen großen neuen Hafen. Wir haben hier einen Platz, der ideal wäre“, sagte Meinberg. Aus ihrer Sicht hätte man die Redner unten auf dem Platz positionieren können, mit Mikrofon und klarer Sicht für alle Besucher.

Bürgermeisterin Julia Fisauli-Aalto spricht ohne funktionierende Lautsprecher mitten in der Menschenmenge.
„Wenn sie vorne am Platz gestanden hätte, mit Mikrofon in der Hand, hätten ältere Leute sich auf die Treppen setzen können“, sagte sie. Stattdessen hätten viele Gäste dicht gedrängt „im Pulk“ gestanden. Gerade für ältere Besucher sei die Situation schwierig gewesen. „Wedel hat so viele ältere Leute“, sagte Meinberg. Aus ihrer Sicht hätte man zusätzliche Bänke aufstellen und die Feier deutlich besser organisieren können.
Besonders geärgert habe sie, dass viele Besucher extra gekommen seien und dann kaum etwas verstanden hätten. „Hier saßen ältere Leute auf der Bank. Die haben doch auch damit gerechnet, dass es laut genug ist und ein Mikrofon gibt“, sagte sie.
Trotz ihrer deutlichen Kritik machte Meinberg gleichzeitig klar, dass sich ihr Ärger ausdrücklich nicht gegen das Hafenprojekt selbst richtet. Sie lebe seit mehr als 20 Jahren in Wedel und kenne den alten Hafenbereich noch gut. „Endlich ist er fertig“, sagte sie. Zwar hätten viele Menschen den früheren Hafen als gemütlicher empfunden, modernisiert werden musste der Bereich aus ihrer Sicht aber trotzdem.
„Ich finde das alles ganz toll“, sagte Meinberg über die neue Promenade und die neugestalteten Flächen. Umso weniger könne sie nachvollziehen, warum die Eröffnungsfeier aus ihrer Sicht so unkoordiniert abgelaufen sei.
Auch aus der Politik kam deutliche Kritik. „Aufgrund der fehlenden Soundanlage weniger gelungen“, sagte Willi Ulbrich von Bündnis 90/Die Grünen. „Die Wedeler Bürger, die hierherkamen, waren schon enttäuscht.“ Und tatsächlich überwog trotz des Ärgers über die Veranstaltung bei vielen Menschen auch die Freude darüber, dass das Projekt nach rund 20 Jahren Planung nun weitgehend abgeschlossen ist.
Bürgermeisterin Fisauli-Aalto sprach von einem „ganz besonderen Moment“, erstmals auf dem fast vollständig fertiggestellten Areal zu stehen. Die neugestaltete Promenade solle nicht nur Aufenthaltsqualität schaffen, sondern ein Ort für Begegnung werden. „Das gesamte Gebiet bietet Aussicht auf Begegnung, auf gemeinsames Erleben, auf einen öffentlichen Raum für alle Menschen“, sagte die Bürgermeisterin.
Auch auf die jahrelangen Diskussionen um Bauzeit, Kosten und Kritik ging Fisauli-Aalto ein. Solche Projekte seien nie einfach umzusetzen. „Es wird diskutiert, gerungen, kritisiert, manchmal auch gestritten, aber genau so entstehen gute Projekte“, sagte sie. Dabei zog sie sogar einen Vergleich zur Hamburger Elbphilharmonie. Auch dort habe es anfangs massive Kritik gegeben. Heute sei das Gebäude ein Wahrzeichen der Stadt. „Und ich bin fest davon überzeugt, dass das auch mit unserem Hafengebiet so sein wird“, sagte die Bürgermeisterin.
Die Geschichte des Projekts reicht bis ins Jahr 2006 zurück. Damals begann mit einem städtebaulichen Wettbewerb die Entwicklung des Hafenbereichs. In mehreren Bauabschnitten wurden seitdem Hafenanlagen, Strandbad und zuletzt die Ostpromenade umgestaltet.
Fachbereichsleiterin Claudia Broekhuis erklärte, Ziel sei gewesen, „wertige Außenanlagen mit hoher Aufenthaltsqualität“ zu schaffen und den Zugang zum Wasser deutlich zu verbessern. Gleichzeitig sei auch der Hochwasserschutz modernisiert worden. „Es ist die Verbindung von Stadt und Wasser, die diesen Ort zu einem besonderen Ort an der Elbe macht“, sagte Broekhuis. Der frühere Wedeler Bürgermeister Niels Schmidt verteidigte die umfangreichen Umbauten deutlich. In seiner Rede erinnerte er daran, wie der Hafenbereich vor der Sanierung aussah: mit Asphaltflächen, eingeschränkter Zugänglichkeit und provisorischer Infrastruktur.
„Jetzt dürfen Sie die Augen wieder öffnen, schauen sich einmal um, betrachten Sie das, was wir geschaffen haben und machen sich Ihr eigenes Bild“, sagte Schmidt. Dabei ging er auch auf die anhaltende Kritik am Projekt ein. Viele Menschen würden heute sagen, früher sei alles besser gewesen. Tatsächlich habe der Hafen früher aber deutlich weniger Aufenthaltsqualität geboten. „Heute können viel mehr Menschen unsere maritime Schokoladenseite nutzen als früher“, sagte der ehemalige Bürgermeister. Für Bürgermeisterin Fisauli-Aalto hat das Projekt auch eine persönliche Bedeutung. „Ich bin vor 27 Jahren nach Wedel gezogen, weil ich an die Elbe wollte“, sagte sie. Besonders abends erinnere sie das Gebiet inzwischen an eine „kleine HafenCity“.
Am Ende der Veranstaltung zeigte sich damit ein widersprüchliches Bild: Während das neue Hafenareal selbst bei vielen Gästen gut ankam, sorgte die Form der Eröffnungsfeier für massive Kritik. Ausgerechnet bei einem Projekt, das Wedels neue maritime Visitenkarte sein soll, hatten viele Besucher deutlich mehr Professionalität erwartet.
mh
